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Die Lizenz ist da!

 

Der DSC Arminia Bielefeld ist gerettet. Aber leider nur vorerst.

In den letzten Wochen ist bei Arminia genug passiert, um eigentlich täglich einen Newsletter herausbringen zu können. Darauf haben wir aber verzichtet.

Zum einen, weil die Lage sich teilweise stündlich geändert hat und eine seriöse Bewertung gar nicht möglich war. Zum anderen, weil wir die Verhandlungen im Vorfeld der Lizenzierungen auf keinen Fall durch mögliche kritische Anmerkungen negativ beeinflussen wollten.

Jetzt glätten sich die Wogen, Arminia wurde in die Sommerpause gerettet.

Aber auch wenn am Ende der Entwicklung die gute Nachricht des Lizenzerhalts steht, der Weg dorthin war wieder einmal von einer zumindest unglücklichen Außendarstellung geprägt.

Dies begann bereits kurz vor der außerordentlichen Mitgliederversammlung, als mit dem millionenschweren Kreditwunsch an die Stadt herangetreten wurde. Durch die forsch und fordernd wirkende Art der Kommunikation gepaart mit einem „Alles-oder-nichts-Szenario“ kam es zu einer entsprechenden Empörung bei vielen Bürger und es wurde dem Rat zusätzlich schwer gemacht, zu einer positiven Entscheidung zu kommen.

Etwas mehr Demut wäre sicherlich angemessener gewesen, hier wurde wieder viel Vertrauen zur Stadt und zu seinen Bürgern aufs Spiel gesetzt. 

Aus den Äußerungen vieler Ratsmitglieder und der Regierungspräsidentin ("erschüttert über den Dilettantismus der Vereinsführung") kann man zudem entnehmen, dass die Verantwortlichen bei Arminia es bis zum Schluss nicht geschafft haben, die geforderten Unterlagen in angemessener Weise vorzulegen.

Dass es dann glücklicherweise auch ohne direkte Hilfe der Stadt Bielefeld geklappt hat, ist hauptsächlich der Sparkasse Bielefeld und dem Land NRW zu verdanken. Da diese im Falle einer Insolvenz den größten finanziellen Schaden erlitten hätten, haben sie naturgemäß als erster nachgegeben und einer Stundung zugestimmt.

Die am letzten Wochenende eingeworbenen Darlehen einiger Unternehmen und die Bürgschaften jetziger Aufsichtsratsmitglieder haben ebenfalls (letztlich entscheidend) dazu beigetragen. Traurig ist aber, dass die Situation bis zuletzt auf der Kippe stand und Arminia am Ende offenbar nur aufgrund eines Freundschaftsdienstes gerettet werden konnte:

„Gerhard Weber hat mich angerufen und mir berichtet, dass er das Geld nicht zusammen bekommt. Für die heimische Wirtschaft ist so etwas eine Bankrott-Erklärung", schimpft Gauselmann. Nicht weil er Arminen-Fan sei, habe er geholfen, stellt Gauselmann klar. "Arminia-Fan werde ich nie und nimmer." Sondern nur weil sein Unternehmerfreund ihn so dringend um Hilfe gebeten habe.“ (NW, 02.06.2010)

Wir danken allen beteiligten Kräften hiermit ausdrücklich für ihre Unterstützung. Insbesondere das zunehmende Engagement der ostwestfälischen Wirtschaft und eine Verantwortungsübernahme innerhalb der KGaA war immer ein wichtiges Anliegen der KA.

Trotzdem ist Arminia noch nicht über den Berg: Der Verein hat nach wie vor insgesamt ca. 25 Millionen Euro Schulden. Die Hilfen, mit denen Arminia im März und aktuell unterstützt wurde, sind kein „frisches“, also zusätzliches Geld gewesen.

Es handelt sich fast ausschließlich um weitere (teils schon im nächsten Jahr zurückzuzahlende) Darlehen, um Bürgschaften und Stundungen sowie um vorgezogene Einnahmen, die dann im nächsten Jahr fehlen. 

Das riesige Finanzloch ist damit nicht kleiner, sondern nur in die Zukunft verschoben worden. Sämtliches Vermögen (Stadion, Rechte, Spieler etc.) dient als Sicherheit für die erwähnten Hilfen, der Verein hat damit keine Reserven mehr. Darüber kann auch der kürzliche Lizenzerhalt nicht wegtäuschen, dessen sind sich auch die Verantwortlichen im Verein bewusst.

Wirklich retten kann Arminia mittelfristig nur eine Ausgliederung der Alm in eine Stadiongesellschaft (vgl. auch unsere Diskussionsgrundlage einer Konzeption). Möglich wäre insbesondere eine Umwandlung von bestehenden Darlehen in Anteile einer zu gründenden Stadiongesellschaft („Debt-Equity-Swap“) und darüber hinausgehend der Verkauf von Anteilen an weitere Interessenten (heimische Unternehmen, Fußball-ist-Fansache etc.).

Fraglich ist aber, ob die potentiellen Beteiligten sich darauf einlassen (abgesehen von der Fan-Initiative Fußball-ist-Fansache). Zuletzt wurde seitens der Vereinsführung mehrfach deutlich angemerkt, dass mit einer Beteiligung in der Stadiongesellschaft keine Renditeerwartung verbunden sein darf.

Ob diese sportliche Zielsetzung durchgehalten werden kann, wird sich zeigen.

Update 09.06.2010: Der Vorsitzende der Ratsfraktion der CDU hat sich gestern bereits gegen eine solche Beteiligung der Stadt ausgesprochen, was eine Einbeziehung deutlich erschweren dürfte:

Lux lehnt auch eine Beteiligung der Stadt an einer von Arminia ausgegliederten Stadiongesellschaft ab. Das sei eher Sache der Wirtschaft, so wie es im Arminia-Gutachten des Unternehmensberaters Berger auch vorgesehen sei. (NW, 08.06.2010)